Mittendrin statt am Spielfeldrand: Marketing mit VR

Mittendrin statt am Spielfeldrand: Marketing mit VR

Für sogenannte location based experiences ist Virtual Reality (VR) eine echte Chance, denn die Technologie lässt uns Erlebnisse fühlen, statt nur Geschichten zu erzählen. Beim Autokauf beispielsweise können wir während einer virtuellen Probefahrt lebensrettende Sicherheitsfeatures eindrucksvoll erleben. In kleinerem Maßstab, dafür aber bequem aus dem Browser heraus, können das auch 360°-Inhalte sein, etwa auf der Suche nach dem perfekten Urlaubsdomizil. Die 360°-Technologie vermittelt hier einen realistischen Eindruck des Urlaubsziels.

Das weiß auch Claudia Kiani, eine der Gründerinnen von omnia360. Das Hamburger Start-up hat sich auf 360°-Rundgänge und -Videos spezialisiert und so bereits einige namhafte Kunden gewinnen können. Wir haben mit ihr über die Zukunft von Virtual Reality und 360°-Inhalten im Marketing gesprochen.

CMO von Adobe: Im Alltag begegnen uns VR-Brillen bisher kaum. Hat die Technologie das Potenzial, massentauglich zu werden?
Kiani:
Das wachsende Entertainmentangebot rund um Netflix & Co zeigen eindrücklich, dass sich der Wettbewerb rund um die Aufmerksamkeit von Nutzern verschärft, dementsprechend ist das mit der Massentauglichkeit so eine Sache. Die Stärke von VR besteht in erster Linie darin, den Nutzer in virtuelle Welten eintauchen und Inhalte auf völlig neue Art und Weise erleben zu lassen. Das macht die Technologie definitiv interessant für die Unterhaltungsindustrie. Mit zunehmenden Hard- und Software-Angeboten wird sie sicherlich auch in privaten Haushalten Fuß fassen. Als breites Medium für die Masse sehe ich VR allerdings nicht. Dafür ist die Technologie – anders als etwa Augmented Reality – einfach nicht alltagstauglich genug. Als zusätzliches Freizeitangebot, das im Wettbewerb zu Gaming, Streaming & Co steht, wird VR aber zunehmend seine Liebhaber finden.

CMO von Adobe: Ist VR-Technologie also hauptsächlich ein „B2B-Thema“?
Kiani:
Mit Virtual Reality lassen sich die Grenzen von Raum und Zeit aushebeln, die Technologie kann uns in Sekundenschnelle in verschiedenste Szenarien hineinversetzen. Also ja, es gibt zahlreiche Anwendungsfelder im B2B-Kontext: Sei es die Konzernzentrale, die sich noch vor Fertigstellung virtuell besichtigen lässt, um mögliche Konstruktionsfehler zu identifizieren oder der Einsatz von virtuellen Testmärkten, in denen die Marktforschung ihre Studien in einer reproduzierbaren Umgebung durchführen kann. Auch Schulungen können in die virtuelle Realität verlegt werden. Angehende Ärzte können beispielsweise erste Handgriffe in unterschiedlichen Szenarien erlernen oder Konfrontationstherapien im geschützten Raum umsetzen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Mich persönlich faszinieren besonders die Anwendungsfälle in den Bereichen Marketing und Kommunikation. Mit Virtual Reality können wir hervorragend auf veränderte Kundenbedürfnisse reagieren.

CMO von Adobe: Gutes Stichwort: Wie verbreitet ist die 360°-Technologie bereits im Marketing? Welches Potenzial hat die Technologie hier?
Kiani:
Im Marketing werden die Themen 360° und Virtual Reality immer beliebter. Denn dank der VR-Brille steht der Kunde mittendrin im Zentrum des Geschehen, statt nur vom Spielfeldrand aus zuzusehen. Anders gesagt: Geschichten können erlebt statt nur erzählt werden. Inhalte für die VR-Brille werden derzeit jedoch weniger für die Nutzer zuhause produziert, sondern vorwiegend bei Events oder Messen eingesetzt. Anders sieht es in puncto 360°-Technologie aus: Inhalte können hier auch online abgerufen werden, zum Beispiel über eine Website oder Social Media. So erreicht man natürlich eine wesentlich größere Kundengruppe. Die höhere Reichweite ist für uns bei omnia360 ein Grund, uns aktuell stärker auf die Produktion von 360°-Inhalten zu fokussieren.

CMO von Adobe: Welche Trends kommen in puncto 360°-Aufnahmen und VR-Technologie auf uns zu?
Kiani:
In Deutschland zögern Makler noch, wenn es um das Thema virtuelle Wohnungsbesichtigung geht – andere Länder sind da schon viel weiter. Dabei ist es eine echte Erleichterung im Verkaufsprozess, wenn potenzielle Käufer die Immobilie bereits vorab virtuell in Augenschein nehmen können. Anders im Recruiting: Hier zeichnet sich eine steigende Nachfrage ab, denn der Arbeitsplatz stellt ein ausschlaggebendes Entscheidungskriterium im „War for Talents“ dar. Mit authentischen Einblicken lassen sich Talente locken. Wer ist nicht neugierig, den zukünftigen Arbeitsplatz schon einmal interaktiv zu erkunden, wenn der berühmte Blick hinter die Kulisse gewährt wird?

CMO von Adobe: Wenn du ganz frei wählen könntest: Was wäre dein Traumprojekt?
Kiani:
Als großer „Game of Thrones“-Fan hätte meine Antwort bis vor kurzem gelautet: „Eine „Game of Thrones“-Folge im 360°-Format zu drehen und diese anschließend mit der VR-Brille aus der Mittendrin-Perspektive zu erleben! Jetzt wo die Serie vorbei ist, muss ich mir wohl etwas anderes einfallen lassen – oder ein alternatives „Game of Thrones“-Ende als 360°-Video drehen. Die finale Staffel war ja leider doch etwas enttäuschend.

CMO von Adobe: Ihr seid ein junges Start-Up und habt direkt aus der Uni heraus losgelegt. Was waren für euch die größten Herausforderungen?
Kiani:
Die größte Herausforderung war, nach meinem Studium auf ein sicheres Angestelltenverhältnis zu verzichten und stattdessen die Abzweigung ins Ungewisse zu wählen. Anstelle eines sicheren Gehalts und einer 40-Stunden-Wochen mit Urlaubsregelung haben wir ganz von vorne angefangen und unser eigenes Unternehmen aufgebaut – das ist gar nicht mal so einfach, wenn die Krankenkasse und das Finanzamt anklopfen, noch bevor man überhaupt den ersten Kunden akquiriert hat. Aber wenn dein erstes Projekt erfolgreich abgeschlossen ist, wenn es weiter geht und du merkst wie „dein Baby“ wächst, dann gibt es kaum eine befriedigendere Tätigkeit in der Arbeitswelt da draußen.

CMO von Adobe: Was müssen junge Gründerinnen mitbringen, um ihre Idee erfolgreich zu machen?
Kiani:
Das Gründen ist eine ziemliche Achterbahnfahrt der Gefühle und erfordert auf jeden Fall Durchhaltevermögen. Deshalb kann ich nur raten: Lasst euch nicht unterkriegen und bleibt dran! Ich hätte nicht erwartet, wieviel ich selbst jetzt, 2,5 Jahre nach der Gründung, täglich dazu lerne und mich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich stetig weiterentwickle.  Wichtig ist auf jeden Fall, die eigenen Grenzen zu kennen und zu akzeptieren. Du musst nicht alles wissen und selber machen, aber du musst den Mut haben, dir Hilfe zu suchen und um Unterstützung zu bitten.

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